Lärm macht krank
Lärm ist nicht nur lästig
Gemäss dem neuen Bericht der Europäischen Umweltagentur ist mindestens jede/jeder fünfte Europäer:in ungesund hohem Verkehrslärm ausgesetzt. In der Schweiz ist jede zehnte Person durch schädlichen Verkehrslärm gefährdet. Lärm wird hauptsächlich mit Belästigung und Schlafstörungen in Verbindung gebracht. Seine Auswirkungen auf unsere Gesundheit sind aber viel weitreichender und schwerwiegender: Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, psychische Leiden und sogar vorzeitige Todesfälle können auf Lärm zurückgeführt werden.
Lärm geht ans Herz und auf die Psyche
Europaweit sterben jährlich etwa 66’000 Menschen vorzeitig infolge chronischer Verkehrslärmbelastung – in der Schweiz sind es jedes Jahr etwa 500 Personen. 50’000 Menschen erkranken in ganz Europa neu an Herz-Kreislaufproblemen und etwa 22’000 an Typ-2-Diabetes. Zudem kann Verkehrslärm laut neuen Forschungsergebnissen europaweit zu Tausenden von Fällen von Depression und Demenz beitragen.
Lärm steigert die psychische Belastung und trägt zur Entstehung psychischer Erkrankungen bei, beziehungsweise verschärft bestehende Leiden – im schlimmsten Fall bis zum Suizid. Dringt Umgebungslärm in Gefühle sowie Gedanken und stört den Schlaf und die Erholung, entstehen Ärger, Erschöpfung und Stresssymptome. Das gefährdet auf Dauer unsere psychische Gesundheit.
Lärm stört den Schlaf
Die Quantität und die Qualität des Schlafs sind für die Gesundheit und das Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung. Deshalb ist die nächtliche Ruhestörung besonders problematisch. Einzelne Lärmereignisse können den Schlaf negativ beeinflussen, da sie Weckvorgänge auslösen und so den Schlaf in wenig erholsame und oberflächlichere Schlafstadien verlagern. Eine insgesamt geringere Schlaftiefe oder einer längere Wachzeit während der Nacht sind die Folge. Selbst wenn wir durch nächtliche Lärmereignisse nicht aufwachen, können diese autonome Erregungszustände während unseres Schlafes hervorrufen und den Stoffwechsel sowie die Herz-Kreislauf-Funktion beeinträchtigen.
Lärm als Stressfaktor
Der menschliche Körper reagiert auf störende Geräusche mit der Ausschüttung von Stresshormonen. Das Nervensystem und das hormonelle System werden dadurch beeinflusst – auch bei Menschen, die sich nicht von Lärm belästigt fühlen. Die permanente Auslösung von Alarm- und Stressreaktionen kann zu gesundheitlichen Schäden führen: Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlafstörungen, aber auch Konzentrationsschwäche und Stimmungsveränderungen wie Depression oder Aggression. Trotz subjektiv manchmal gegenteiligem Eindruck: unser Körper gewöhnt sich nicht an Lärm.
Wieso reagiert unser Körper mit Stress auf Lärm?
Unser Gehör ist als hochsensibles Organ an die Geräuschkulisse einer längst vergangenen Naturlandschaft angepasst. Laute und ungewohnte Geräusche waren ursprünglich ein Signal für Gefahr, auf die der menschliche Körper mit einer erhöhten Alarmbereitschaft zu Flucht oder Kampf reagierte. Die Geräuschkulisse hat sich zwischenzeitlich dramatisch verändert: Eine Unmenge von verschiedensten Geräuschen überflutet uns ständig. Auf laute und störende Geräusche reagiert unser Körper aber immer noch gleich wie zu Urzeiten und die ausgelösten Stressreaktionen beeinträchtigen das Wohlbefinden und die Gesundheit.
Ruhe tut der Gesundheit gut
Bei Ruhe entspannt sich der Körper, der Blutdruck sinkt und Stresssymptome werden reduziert. Ruhe ist also eine kostbare, natürliche Ressource, die für unsere Gesundheit unabdingbar ist. Der Wert von Ruhe ist vielfältig: Sie hilft nicht nur, die Konzentration und Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, sondern fördert auch das Zusammenleben und wertet Wohn- und Arbeitsorte auf.